Trauer in Zeiten von Corona – ein Leserbrief

Trauer in Zeiten von Corona

Bens Leserbrief an den Mannheimer Morgen

Betreff: Trauer – Regeln statt Rituale

Der Artikel im heutigen Mannheimer Morgen zum Thema Trauer in Corona-Zeiten, welchem eine ganze Seite gewidmet wurde, hat mich sehr berührt. Gerade in diesen Tagen, in welchen wir noch mehr Zusammenhalt und Nähe benötigen, findet der Verlust von geliebten Menschen aus meiner Sicht viel zu wenig Beachtung.

Neben den erwähnten Trauernden, die den Weltreligionen oder Glaubensgemeinschaften angehören, gibt es allerdings auch noch die Gruppe der Menschen, die nicht gläubig sind oder keiner Religionsgemeinschaft angehören. Diese Menschen fanden im heutigen Artikel leider keine Erwähnung. Doch auch diese Menschen erleiden in diesen Tagen Verluste von lieben Wegbegleitern. In meiner Eigenschaft als freier Redner möchte ich daher genau dieser Gruppe Menschen, meine Stimme leihen.

Der Gedanke, dass Gott bei den Menschen ist, hilft in diesen schwierigen Zeiten eben auch nur Menschen, die an Gott glauben. Wenn somit religiöse Wahrheiten zum Tod oder Jenseitsvorstellungen wegbrechen, sind die Angehörigen gezwungen, sich selbst Gedanken zu machen, welche positive Haltung hilft, den Verlust zu verarbeiten. Ganz alleine und in der Trauer ist das noch schwieriger, als ohnehin schon. In diesen Fällen gilt es als Trauerredner im Trauergespräch (welches ein essentieller Bestandteil der Trauerarbeit ist) herauszufinden, an was die Menschen glauben und was individuell und für einen ganz persönlich Trost spendet.

Auch wenn die persönlichen Reden derzeit nicht vor vielen Menschen gehalten werden können, gibt es Wege, wie man die Menschen teilhaben lassen kann, die nicht anwesend sein dürfen.

Trauer kann man nicht beschleunigen. Sie braucht Zeit und jeder Mensch hat das Recht auf einen würdevollen Abschied – das Recht persönlich berührt zu werden. Auch freie Menschen, die im Moment – wie alle Menschen – ohnehin auf unendlich viele Freiheiten verzichten müssen.

Niemand sollte und muss den Abschied alleine durchstehen. Auch ich bin für die Angehörigen in dieser Zeit rund um die Uhr da.

Ben Pandolfi, Mannheim

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